Stadtrat Thomas Mirtsch

07.05.2015

Auch in der letzten Zeit gab es wieder einige Informationen, interessante Gespräche und auch Sitzungen. Im letzten II. Senat (Bausenat) kamen auch zwei Baudenkmäler auf die Tagesordnung, über deren Zukunft wir zu entscheiden hatten. Einmal war dies die Kempter Str. 22, die nun kurz vor dem Abbruch steht. Hier sprach sich am Schluss auch das Landesamt für Denkmalpflege für einen Abbruch aus, da bei einer sinnvollen Sanierung kaum Bausubstanz der letzten etwa 600 Jahre übrig bleiben würde. Bei Deckenhöhen von etwa 1,6 Metern hätte eigentlich das komplette Haus entkernt werden müssen, so dass auch der Stadtrat hier einstimmig dem Abbruch zustimmte. 

Das zweite Abbruchgesuch war schon wesentlich umstrittener. Die Kreuzstraße 11, ein baufälliges Haus zwischen Roßmarkt und Kramerstraße am westlichen Eintrittspunkt in unsere schöne historische Altstadt ist nun etwa 400 Jahre alt. Im Erdgeschoss sind Deckenhöhen zwischen 2,1 und 2,3 Meter vorhanden. Eine Erhöhung durch eine Entkernung der Zwischendecke wäre hier nicht möglich. Des Weiteren sind zwei Stufen hinunter zu gehen, um in das Haus zu gelangen. Auch wurde das Haus im laufe der Jahrhunderte mehrfach umgebaut, so dass hier auch bereits viel der alten Bausubstanz verloren ging. Aber, es ist auch eines der ältesten Häuser der Stadt, Bauteile stammen zum Teil auch aus dem 14. Jahrhundert durch Wiederverwendung. Des Weiteren hätte der Hauseigentümer nach dem Gesetz einen Unzumutbarkeitsnachweis für eine Sanierung liefern müssen. Dies ist nach nun über 2 jähriger Verhandlung über die Zukunft des Hauses nicht geschehen. Lediglich eine überschlägige Kostenrechnung des Architekten wurde erstellt. Hierbei jedoch weder mögliche Zuschüsse noch Steuerabschreibungen berücksichtigt. Ein durch das Landesamt für Denkmalpflege genehmigter Umbau der oberen Geschosse ebenso wenig. Das Haus ist bereits im Sanierungsprogramm für die Altstadt Memmingens der technischen Universität München aus dem Jahre 1975 als Esemble stark verzeichnet. Prägnante Häuser wie das Manghaus oder große Teile des Fuggerbaus wurden hier nicht als Esemble mit diesem Schutz gewertet, jedoch würde hier der Denkmalschutz zum Teil greifen. Ebenfalls ist das Haus Kreuzstraße 11 bereits damals als stark gefährdet eingezeichnet. Man hat trotzdem bis heute nicht einmal die notdürftigsten Reparaturen (z. B. defekte Fenster) durchgeführt. Man stand also vor der Frage: Opfert man dieses Haus an dieser prägnanten Stelle zugunsten eines "modifizierten Neubaus" (wie Oberbürgermeister Dr. Holzinger es nannte) oder will man am Bestand festhalten. Durchwegs fast alle Fraktionen bemängelten das Fehlen des nach dem Gesetz vorgeschriebenen Unzumutbarkeitsnachweises, viele bemängelten auch das Vorgehen des Baubewerbers bzw. Abbruchantragstellers. Auch ich schloss mich dieser "Fraktion" im Stadtrat an und entschloss mich dann gegen einen möglichen Abbruch zu stimmen. Sollte dieser Nachweis nun nachgeliefert werden, wird neuerlich diskutiert werden - mit ungewissem Ausgang, auch was meine eigenen Entschluss betrifft. Es darf aber auch bei aller Baubegeisterung nicht vergessen werden, das die Memminger Altstadt ein baukulturhistorisches Erbe darstellt.Auch fremde Besucher sowie die Einheimischen gehen gerne in die Altstadt und nicht in die Neustadt zum flanieren, einkaufen oder gut essen. All das muss bei einer solchen Entscheidung leider auch mit einfließen. Besitzer solcher Häuser haben ein besonderes, wenn auch meist ein teureres Erbe. Aus diesem Grunde sollten wir als Stadträte uns schon lange überlegen, einen gewissen Bargeldfond einzurichten, mit dem auch dem Hausbesitzer neben aller staatlich bereits vorhandener Unterstützungsleistungen geholfen werden könnte. Viele Gebäude könnten so ihre äußere Gestalt behalten und würden der Nachwelt gesichert. Es ist an der Zeit in meinen Augen umzudenken und einen solchen Fond zu diskutieren.